Was hat dich dazu motiviert, den Pharma MBA gerade zu diesem Zeitpunkt deiner Karriere zu beginnen, insbesondere parallel zu einer Vollzeitbeschäftigung?
Die Idee, einen MBA zu machen, hatte ich tatsächlich schon während meines Hauptstudiums. Damals wurde mir klar, dass ich langfristig vermutlich eher in einer kommerziellen oder cross-funktionalen Rolle arbeiten möchte als im klassischen Research-Bereich. Deshalb habe ich auch hinterfragt, ob eine Promotion für meinen Weg wirklich sinnvoll wäre. Ein Doktor ist in den Naturwissenschaften zwar sehr gängig, bleibt aber letztlich eine starke Research-Spezialisierung. Gleichzeitig war mir schmerzlich bewusst, dass mir in meinem Studium vor allem die Business-Perspektive gefehlt hat. Ich wusste sehr viel über Neuronen, Proteine und virale Infektionen, aber wenig über Strategic Management, Corporate Strategy oder Organizational Behavior. Wie spannend wäre es, dachte ich, wenn es eine Spezialisierung für Business-Rollen gäbe? Tja, die gibt es – einen MBA. Da dieser aber Berufserfahrung voraussetzt, bin ich zunächst ins Berufsleben eingestiegen und habe den Zeitpunkt entsprechend bewusst gewählt.
Das erste Semester eines MBA-Programms kann intensiv sein. Wie hast du die Rückkehr ins akademische Leben erlebt?
Ufff, vor allem als anstrengend! (lacht) Ich hatte ganz verdrängt, wie es ist, im Semesterzyklus zu leben. Begriffe wie „Klausurenphase“ hatte ich vollständig aus meinem Gedächtnis getilgt. Und das Mensa-Essen habe ich auch nicht vermisst. Und das Ganze dann auch noch neben dem Job zu machen? Warum sollte man sich das freiwillig antun?! Diese Frage habe ich mir nicht nur einmal gestellt. (lacht) Aber Spaß beiseite: Inhaltlich bin ich doch sehr schnell wiedereingestiegen. Es tut gut, bewusst aus der eigenen Bubble herauszukommen. Wieder einmal etwas zum ersten Mal zu machen, die Herausforderung anzunehmen und den Inhalt zu „knacken“. Und gleichzeitig war es sehr motivierend, von wirklich tollen Menschen aus allen Ecken der Branche umgeben zu sein – das hatte auch etwas sehr Vertrautes.
Gab es rückblickend in den vergangenen Monaten einen bestimmten Moment, in dem dir klar wurde, dass die Entscheidung für das Programm die richtige war?
Es gab tatsächlich nicht einen einzelnen Moment, sondern eher viele kleine: Als ich die Kohorte erstmals an den Orientierungstagen getroffen habe. Die erste Finance-Vorlesung – genau das, was mir gefehlt hat! Die Marketing-und-Sales-Vorlesung – genau meine Welt! Aber auch jedes Mal, wenn ich mit meiner Lerngruppe draußen auf dem Campus sitze, mit einem Kaffee in der Hand, und wir gemeinsam die nächsten Schritte planen. Da wird mir jedes Mal klar, dass die Entscheidung die richtige war.
Welcher Kurs oder welches Thema hat dich bisher am meisten gefordert, und was konntest du daraus für deine berufliche Rolle mitnehmen?
Da ich ursprünglich aus den Naturwissenschaften komme und später in Marketing und Sales gewechselt bin, war ich gewisse Perspektiv- und Kulturwechsel schon gewohnt. Im MBA fand ich deshalb vor allem die Themen spannend, die außerhalb meines bisherigen Schwerpunkts lagen, etwa Finance-, Leadership- oder strategienahe Inhalte. Ich glaube aber generell, dass man MBA-Programme weniger nach einzelnen Kursen bewerten sollte, sondern eher danach, wie viel Breite sie vermitteln und wie stark sie darauf ausgelegt sind, sich mit neuen Denkweisen, Herausforderungen und Skillsets auseinanderzusetzen. Denn: Unternehmen sind letztlich komplexe Organismen. Viele unterschiedliche Zahnräder müssen ineinandergreifen, Prozesse müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt sein und unterschiedliche Funktionen müssen gemeinsam funktionieren. Dabei darf man nie den Menschen aus dem Blick verlieren, insbesondere in der pharmazeutischen Industrie, in der am Ende immer der Patient im Mittelpunkt stehen muss. Genau deshalb ist für mich der Blick über die eigene Disziplin hinaus einer der zentralen Aspekte, die ein MBA vermitteln sollte.
Wie hat das Lernen gemeinsam mit Fachkräften aus unterschiedlichen Hintergründen deine Denkweise geprägt?
Obwohl viele von uns einen naturwissenschaftlichen Hintergrund haben, ist die Gruppe im Pharma MBA sehr vielfältig – wir kommen aus allen Ecken der Branche, von HR über Marketing bis hin zu Produktion und Quality Management. Es ist wirklich spannend, all diesen Bereichen im gleichen Raum zu begegnen. Dabei wird schnell sichtbar, wie viele unterschiedliche Stärken und Perspektiven zusammenkommen und was erst dadurch möglich wird. Gleichzeitig entwickelt man deutlich mehr Verständnis für die Herausforderungen der anderen Funktionen. Solche Austauschformate sollte es im Unternehmenskontext eigentlich häufiger geben. In der Praxis arbeiten wir oft noch in Silos. Umso wichtiger ist es, stärker über funktionale Grenzen hinweg zu denken.
Wenn du auf das erste Semester zurückblickst: Was hat dich am meisten überrascht – am Programm, an deiner Kohorte oder an dir selbst?
Ich würde nicht unbedingt sagen, dass es mich überrascht hat, aber mir ist zu Beginn des Semesters doch deutlich aufgefallen, dass das Geschlechterverhältnis in der Kohorte recht unausgewogen ist und auf eine Frau etwa zwei Männer kommen. Mir ist bewusst, dass die Business School sich damit beschäftigt, das Verhältnis langfristig ausgewogener zu gestalten. Gleichzeitig zeigt sich hier natürlich ein größeres strukturelles Thema, das viele Programme und Branchen betrifft. Umso wichtiger ist es, dass entsprechende Bemühungen aktiv weiterverfolgt werden – durch jede und jeden von uns.
Worauf freust du dich besonders, wenn du an die nächste Phase des Programms denkst?
Das Programm geht mit jedem Semester in eine neue Phase. Als Nächstes wird es stärker um die pharmazeutische Wertschöpfungskette gehen, danach folgen die Wahlkurse und schließlich die Master-Arbeit. Ich freue mich besonders auf die Wahlkurse und die Master-Arbeit, weil es eine gute Möglichkeit ist, einzelne Inhalte noch einmal gezielt zu vertiefen und verschiedene Kursinhalte zusammenzuführen. Aber natürlich freue ich mich auch auf den Abschluss des Programms, wenn am Ende alles zusammenkommt und man die Ergebnisse der MBA-Reise erstmals schwarz auf weiß in der Hand hält… das muss schon ein ziemlich guter Moment sein.