Vom Olympiasieger zum Führungsexperten: Michael Groß über Führung im Sport

Die Sportbranche braucht Führungskräfte, die sich in komplexen Organisationen zurechtfinden, Teams aufbauen und Veränderungen in einem öffentlichen Umfeld bewältigen können. Nur wenige verstehen diese Herausforderungen aus so vielen Perspektiven wie Michael Groß. Als Olympiasieger, Redner, Autor und Professor hat er sich intensiv mit den Faktoren befasst, die Leistung im Sport und in Organisationen beeinflussen. Mit zwei Modulen in unserem neuen Sports-Management-MBA unterstützt er die Studierenden dabei, wichtige Führungskompetenzen zu entwickeln. In diesem Interview spricht er über seine Erfahrungen als Führungskraft, seine Erkenntnisse zum Talentmanagement und darüber, was die Studierenden von seinen Modulen erwarten können.

A man in business attire standing on a staircase

Ihre Karriere umfasst den Leistungssport, die Unternehmenswelt und die Wissenschaft. Wie haben diese Erfahrungen Ihre Sicht auf Führung und Talententwicklung geprägt?

Gerade die Kombination dieser drei Bereiche macht den Unterschied: meine Erfahrungen im Erreichen und Fördern von Spitzenleistungen, die Beratung und das Coaching von Führungskräften sowie die wissenschaftliche Fundierung durch Forschung und Lehre. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, Ziele zu definieren, auszurichten und regelmäßig zu überprüfen. Das gilt nicht nur für Einzelpersonen, sondern vor allem für Teams, Abteilungen und ganze Organisationen. Gleichzeitig stehen wir durch datenbasierte Entscheidungsprozesse vor tiefgreifenden Veränderungen.

Im Sports Management MBA unterrichten Sie das Modul „People & Talent Management in Sports Organizations“. Warum wird Talentmanagement für Sportorganisationen immer wichtiger?

Im Sport gehört die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten zum Alltag. Im Management ist das längst nicht überall selbstverständlich. Mit unserem MBA möchten wir genau das fördern. Die Teilnehmenden lernen, sowohl ihre Organisationen als auch ihre Mitarbeitenden gezielt weiterzuentwickeln. Im Zeitalter von KI wird es immer wichtiger, frühzeitig zu erkennen, welche Kompetenzen künftig benötigt werden und wie diese aufgebaut werden können. Gleichzeitig beschäftigen sich die Studierenden mit typischen Teamdynamiken sowie mit Werte- und Loyalitätsstrukturen in Sportorganisationen, insbesondere in Vereinen und Verbänden, die das Talentmanagement maßgeblich beeinflussen.

Sportorganisationen agieren oft in einem sehr emotionalen und öffentlichen Umfeld. Welche Führungsherausforderungen unterscheiden sie von klassischen Unternehmen?

Im Sport spielen Emotionen und persönliches Engagement eine zentrale Rolle. Das Interesse am Geschehen ist meist sehr hoch. Die Herausforderung besteht darin, diese Energie auf die strategisch wichtigsten Ziele zu lenken. Für Führungskräfte kann das anspruchsvoll sein, wenn Mitarbeitende vor allem ihrem Herzen folgen.

Ihr zweites Modul beschäftigt sich mit „Leadership and Organizational Behavior in Sports“. Welche Führungseigenschaften sind heute besonders wichtig für den Erfolg in der Sportbranche?

Viele der Themen, die die Zukunft von Unternehmen allgemein prägen, sind auch für das Sportmanagement entscheidend, beispielsweise die datenbasierte Entscheidungsfindung. Da der Sport selbst in vielen Bereichen nach wie vor stark analog geprägt ist, kommt es darauf an, die verschiedenen Ebenen miteinander zu verbinden. Dabei macht es einen Unterschied, ob man für eine Sportorganisation oder für einen Sponsor arbeitet. Die Sportbranche ist äußerst vielfältig und erfordert unterschiedliche Perspektiven.

Sie haben im Laufe Ihrer Karriere mit leistungsstarken Teams in sehr unterschiedlichen Umfeldern gearbeitet. Welche Erkenntnisse über Teamarbeit und Organisationskultur sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Davon gibt es viele. Ein Aspekt überrascht vielleicht: Vielfalt ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ein Team ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Für Führungskräfte besteht die Herausforderung darin, individuelle Stärken zusammenzubringen und sie in der jeweiligen Situation optimal einzusetzen. Im Sport zählt letztlich die Fähigkeit, vorhandene Kompetenzen in konkrete Erfolge umzusetzen – sowohl bei Einzelpersonen als auch bei Teams.

Veränderungen, Rückschläge und öffentliche Aufmerksamkeit gehören im Sport zum Alltag. Wie können Führungskräfte mit diesen Herausforderungen erfolgreich umgehen?

Entscheidend ist nicht nur, ambitionierte Ziele zu setzen, sondern auch die Erwartungen realistisch zu steuern. Rückschläge, Anpassungen und Umwege gehören zum Alltag und sind oft Teil des Erfolgsprozesses. Führungskräfte müssen ständig entscheiden, wann es Zeit ist, das Tempo zu erhöhen, wann eine Pause sinnvoll ist und wann ein Neustart notwendig ist.

Welche praktischen Erkenntnisse können Studierende aus Ihren Kursen mitnehmen?

Ich werde die Inhalte flexibel an den Interessen der Studierenden ausrichten. Nach vielen Jahrzehnten Berufserfahrung und persönlicher Weiterentwicklung weiß ich: Es gibt kein allgemeingültiges Erfolgsrezept. Vielmehr möchte ich die Teilnehmenden dazu ermutigen, ihren eigenen Weg konsequent zu verfolgen mit den Fähigkeiten und Impulsen, die sie im MBA erwerben. Gerade im Sportmanagement gibt es selten die eine entscheidende Methode oder Kompetenz. Erfolg entsteht durch das Zusammenspiel verschiedener Stärken. In gemeinsamen Team-Challenges erleben die Studierenden genau diese Dynamik: Sie entwickeln strategische Fähigkeiten und lernen zugleich, flexibel auf Veränderungen zu reagieren.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie zum neuen Sports Management MBA beitragen?

Der Schlüssel liegt darin, sich konsequent an den Anforderungen der Zukunft zu orientieren. Die Sportwelt verändert sich rasant, und zwar nicht nur auf dem Spielfeld. Wir beschäftigen uns mit den Themen, die für die zukünftige Karriere der Teilnehmenden besonders relevant sein werden. Durch meine praktische Erfahrung im Sport und in der Wirtschaft halte ich den Sports Management MBA für ein ideales kompaktes Programm, um Managementkompetenzen gezielt weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt auf den Fähigkeiten, die künftig für den beruflichen Erfolg entscheidend sein werden. Es macht mir große Freude, andere Menschen zu fördern und herauszufordern – und dabei selbst immer wieder neue Impulse zu erhalten.