Vom Master in Finance in den Finanzsektor Singapurs

In diesem Interview berichtet Master in Finance Alumnus Hendrik Olbrich (Abschlussjahr 2025) von seiner internationalen Tätigkeit in Singapur. Er gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag bei einer globalen Bank, spricht über prägende berufliche und persönliche Erfahrungen in der Asia-Pacific-Region und erklärt, welche Fähigkeiten und welche Offenheit es braucht, um in einem internationalen Finanzumfeld erfolgreich zu arbeiten.

Kannst du zu Beginn deine aktuelle Rolle und deine zentralen Aufgaben beschreiben?

Ich arbeite als Liquidity Manager bei einer globalen Bank und bin für die Asia-Pacific-Region (APAC) mit Sitz in Singapur verantwortlich. Zu meinen zentralen Aufgaben gehört es, sicherzustellen, dass alle Standorte in der Region die regulatorischen Liquiditätsanforderungen erfüllen, sowie die Liquiditätsrisiken sämtlicher Bilanzpositionen zu bewerten. Diese Tätigkeit ist für die Bank von großer Bedeutung: Einerseits stellt sie sicher, dass die einzelnen Einheiten auch in Stresssituationen ausreichend liquide bleiben, andererseits beeinflusst sie maßgeblich die interne Bepreisung von Bankprodukten und damit direkt das Ergebnis der jeweiligen Geschäftsbereiche.

Was hat dich dazu motiviert, eine internationale Position zu übernehmen, und warum fiel die Wahl auf Singapur?

Nach Abschluss meines Masterstudiums war ich bereits dreieinhalb Jahre in meiner vorherigen Rolle tätig und hatte das Gefühl, dass dies der richtige Zeitpunkt für eine berufliche Veränderung und einen internationalen Einsatz war. Singapur hat mich schon immer fasziniert – sowohl kulturell als auch durch die Art und Weise, wie sich das Land organisiert. Da mein Arbeitgeber in der Asia-Pacific-Region stark vertreten ist, bot sich Singapur für mich als ideale Gelegenheit an.

Wenn du auf deine Zeit in Singapur zurückblickst, welche Momente oder Erfahrungen haben dich persönlich und beruflich am meisten geprägt?

Was die Arbeit angeht, würde ich sagen, dass das Tempo höher ist und die notwendige Interaktion zwischen den verschiedenen Treasury-Abteilungen von entscheidender Bedeutung ist, da das Treasury-Team in der Region Asien-Pazifik (APAC) im Vergleich zum globalen Treasury-Team viel kleiner ist. Ein grundlegendes Verständnis der anderen Treasury-Bereiche ist daher entscheidend, denn für jede Entscheidung im Bereich Liquiditätsmanagement muss ich die Auswirkungen auf die anderen Treasury-Bereiche kennen.

Privat bin ich vor allem von Singapur beeindruckt. Das Land ist extrem sauber, sicher und effizient. Wenn man bedenkt, dass es erst vor 60 Jahren unabhängig wurde und damals ein Entwicklungsland war, ist es beeindruckend und inspirierend zu sehen, wo es heute steht. Außerdem ist es leicht, Freunde zu treffen, da viele Menschen zeitweise hier leben und wieder gehen. Insgesamt genieße ich meine Zeit hier bisher sehr!

Welche Unterschiede in der Arbeitskultur in Singapur im Vergleich zu Deutschland haben deinen Arbeitsalltag oder deine Denkweise am stärksten geprägt?

Wie schon erwähnt, ist das Arbeitstempo in Singapur etwas höher als in Deutschland. Außerdem arbeite ich noch teilweise mit dem globalen Team in Frankfurt und London zusammen, sodass späte Abende aufgrund der Zeitunterschiede manchmal zum Alltag gehören.

Welche Fähigkeiten oder Erfahrungen haben sich als besonders wertvoll erwiesen, um im Finanzsektor in Singapur erfolgreich zu sein?

Ich denke, wer ein solides Grundwissen über den Finanzsektor und das Bankwesen hat, kann in jedem Teil der Welt arbeiten, da die Branche sehr international ist. Wichtig ist, stets neugierig zu bleiben, kontinuierlich dazuzulernen und offen für verschiedene Perspektiven zu sein.

Wie siehst du, dass dir diese internationale Tätigkeit langfristig bei deiner beruflichen Entwicklung hilft?

Zum einen ist das Team in der Asia-Pacific-Region deutlich kleiner, was zu mehr Kontakt zu Führungskräften und einer größeren Themenvielfalt führt, da meine Rolle nun breiter gefasst ist als zuvor. Zum anderen geht es nicht nur um die Rolle selbst, sondern auch darum, die Arbeitskultur auf einem anderen Kontinent kennenzulernen. Auch außerhalb des Arbeitsumfelds erhält man dadurch neue Perspektiven darauf, wie andere Länder politisch und gesellschaftlich organisiert sind.

Wenn du auf deinen bisherigen Werdegang zurückblickst, welche Teile des Master-in-Finance-Programms waren für deine heutige Tätigkeit besonders relevant?

Insgesamt hat mir das Master in Finance Programm eine breite Basis in allen wichtigen Bereichen der Finanzwelt vermittelt. Besonders hervorheben würde ich Prof. Dr. Marc Crummenerls Kurs „Derivatives & Financial Engineering“, da er die Grundlagen zu Derivaten vermittelt – ein Thema, das für meine aktuelle Rolle besonders wichtig ist, da ich unter anderem Investmentbanking-Produkte aus der Perspektive des Liquiditätsrisikos betreue.