Komplexität in Chancen verwandeln: Über meine Masterarbeit und meinen MBA

Als neuer Absolvent des Goethe MBA Programms blickt Felix Bertz-Hamel auf seine MBA-Erfahrungen zurück, spricht über das Thema seiner Abschlussarbeit und die Vorteile seiner Forschung zur Komplexität von Geschäftsprozessen und erläutert, wie Data Science, KI und die digitale Transformation die Zukunft von Unternehmen und der Bankenbranche prägen können.

Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen MBA-Abschluss! Wenn du auf deine Studienzeit zurückblickst: Was wirst du an deiner Zeit an der Goethe Business School am meisten vermissen?

Vielen Dank! Das ist gleich zu Beginn eine schwierige Frage, denn ich erinnere mich an viele Aspekte meines Goethe MBA-Studiums sehr gerne zurück. Einen einzelnen hervorzuheben, ist daher gar nicht so einfach. Am meisten vermissen werde ich jedoch die Diskussionen innerhalb und außerhalb der Lehrveranstaltungen. Das Programm bringt Menschen mit ganz unterschiedlichen beruflichen, kulturellen und akademischen Hintergründen zusammen. Der Austausch mit anderen eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht Erkenntnisse, die man im gewohnten Umfeld sonst nicht gewonnen hätte.

In deiner Masterarbeit beschäftigst du dich mit der Bewertung der Komplexität von Geschäftsprozessen. Wie ist dein Interesse an diesem Thema entstanden, und warum ist es gerade für Unternehmen im Zuge der digitalen Transformation relevant?

Prof. Julia Krönung hat eine hervorragende Lehrveranstaltung zum Thema Geschäftsprozesse gehalten, die ich sehr geschätzt habe. Als theoretischer Physiker interessiere ich mich besonders für komplexe Systeme, die bekanntermaßen nur schwer zu analysieren sind. Ihre Komplexität zu bewerten, ist ein erster Schritt, um sie besser zu verstehen. Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich ein Softwarekonzept entwickelt und prototypisch umgesetzt, mit dem sich die Komplexität von Prozessen bewerten lässt, die in unterschiedlichen Modellierungssprachen dargestellt sind. Dabei kommen verschiedene Komplexitätsmetriken zum Einsatz.

Ein solches Werkzeug kann Unternehmen dabei helfen, Komplexitätstreiber innerhalb ihrer Prozesslandschaft zu identifizieren und Prozesse auf Basis einer wissenschaftlich fundierten Bewertung neu zu gestalten. Digitalisierung bedeutet in erster Linie eine Veränderung von Prozessen innerhalb einer Organisation. Diese Veränderung lässt sich durch geeignete quantitative Analysen und Entscheidungsgrundlagen gezielt unterstützen.

Deine Forschung verbindet Prozessmanagement, datengestützte Analysen und die prototypische Entwicklung von Software. Was hast du aus der Kombination dieser unterschiedlichen Perspektiven gelernt, und welches Potenzial siehst du für die praktische Anwendung deines Ansatzes?

Ich habe gelernt, dass moderne Organisationsstrukturen in ein äußerst anspruchsvolles und sich immer schneller wandelndes Umfeld eingebettet sind. Um mit diesen Veränderungen Schritt halten zu können, braucht es einen mehrdimensionalen Ansatz, der die Gesamtsituation möglichst umfassend erfasst. Die Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht mit einem einzelnen Werkzeug, einer einzelnen Entscheidung oder einem einzigen Ansatz bewältigen. Vielmehr müssen wir Wissen aus unterschiedlichen Fachgebieten miteinander verbinden, um Veränderungen erfolgreich zu gestalten.

In der praktischen Anwendung sehe ich darin einen ersten, kleinen Schritt hin zu einer verbesserten wissenschaftlich fundierten Analyse. Besonders vielversprechend ist, dass sich ein solches Werkzeug mit bestehenden Lösungen zur Prozesserkennung kombinieren lässt. Denn häufig sind die tatsächlichen Abläufe in Unternehmen noch nicht vollständig bekannt oder bislang nicht modelliert. Durch die Verknüpfung beider Ansätze lässt sich ein durchgängiger Prozess etablieren, der die kontinuierliche Erkennung, Bewertung und Neugestaltung von Prozessen ermöglicht. Letztlich trägt dies zu einer besseren Unternehmenssteuerung bei, von der alle Beteiligten profitieren.

Parallel zu deinem MBA hast du auch die Certificate of Advanced Studies (CAS) Data Science & AI und Digital Transformation Management absolviert. Was hat dich dazu motiviert, diese zusätzlichen Zertifikate gleichzeitig mit deinem MBA zu erwerben?

Die Goethe Business School bietet die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen individuell auszuwählen und so zu kombinieren, dass sie optimal zu den eigenen Interessen und Zielen passen. Mich interessiert vor allem methodisches Wissen – oder einfach ausgedrückt: Wie setzt man etwas konkret um?

Beide Zertifikatsprogramme vereinen Lehrveranstaltungen, die zwei Anforderungen erfüllen, die mir persönlich besonders wichtig sind: Aktualität und Anwendbarkeit. Data Science und Künstliche Intelligenz bilden die technologische Grundlage unserer digitalen Gesellschaft und Wirtschaft. Wer diese Grundlagen besser versteht, kann die Kompetenzen entwickeln, die notwendig sind, um sich in diesem Umfeld erfolgreich zu bewegen.

Die digitale Transformation wiederum ist eine Folge dieser technologischen Entwicklungen. Ob sie erfolgreich gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie sie gestaltet und gesteuert wird. Die Kombination aus dem Verständnis der technologischen Grundlagen und der Frage, wie sich darauf aufbauend Veränderungen gestalten lassen, hat mich dazu bewogen, mich auf diese beiden Themenbereiche zu konzentrieren.

Was war die größte Herausforderung dabei, Beruf und Studium miteinander zu vereinbaren, und was hast du an dieser Erfahrung als besonders bereichernd empfunden?

Die größte Herausforderung ist die Koordination. Ein MBA ist kein Kampf, den man allein bestreitet, sondern ein Vorhaben, bei dem man auf die Unterstützung der Lerngruppe im Studienprogramm sowie natürlich von Freunden und Familie außerhalb der Hochschule angewiesen ist. Gleichzeitig müssen die vielfältigen Aufgaben, Fristen und Verpflichtungen gut organisiert und priorisiert werden. Dabei lassen sich Zielkonflikte nicht immer vermeiden.

Der Lohn für diesen Aufwand ist jedoch, neues Wissen zu erwerben, überzeugende Studienarbeiten zu verfassen oder Prüfungen erfolgreich zu absolvieren. Wichtig ist dabei immer, darüber nachzudenken, was man aus einer Lehrveranstaltung mitnimmt und wie sich das Gelernte in der Praxis anwenden lässt. Am bereicherndsten war es für mich, mit den im Studium erworbenen Kompetenzen und Kenntnissen tatsächlich etwas bewirken zu können.

Nun hast du deinen MBA abgeschlossen. Wie möchtest du das Gelernte künftig in deiner beruflichen Tätigkeit einsetzen, und gibt es einen Bereich, den du besonders gerne weiter vertiefen möchtest?

Auf jeden Fall! Ich arbeite in der Bankenbranche, einer vollständig digitalisierten Branche, die zugleich vor großen Herausforderungen und tiefgreifenden Veränderungen steht. In den kommenden Jahren werden zahlreiche Menschen aus dem europäischen Arbeitsmarkt ausscheiden, während der Wettbewerb mit US-amerikanischen Banken zunimmt. Die Bankenbranche wird sich daher zwangsläufig verändern.

Um diesen Wandel aktiv mitzugestalten, sind sowohl die Forschungsschwerpunkte meiner Masterarbeit als auch die Inhalte des gesamten MBA-Programms relevant. Aus wissenschaftlicher Sicht möchte ich mich insbesondere mit der Prozessgestaltung beschäftigen. Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändert Organisationsstrukturen und Geschäftsprozesse grundlegend. Daraus ergeben sich spannende neue Fragestellungen und Herausforderungen, denen ich mich künftig gerne widmen möchte.