Hintergrund

Das Anforderungsprofil von Führungskräften hat sich im Laufe der Zeit grundlegend verändert. Neben der gestiegenen Komplexität und Unsicherheit, deren Auswirkungen auf den Arbeitsalltag nur schwer messbar sind, schränken insbesondere Stress und Zeitknappheit die Leistungsfähigkeit von Führungskräften unmittelbar ein: Terminkalender füllen sich in rasender Geschwindigkeit, Tagesabläufe sind kaum noch planbar und unterschiedliche Kommunikationskanäle sind mit ihrer Informationsflut kaum noch zu beherrschen. Dennoch wird von Führungskräften ein permanenter Fokuswechsel erwartet. Sie sollen stets schnell und kompetent entscheiden und fortwährend Kunden, Kollegen und Mitarbeitern als zuverlässige Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Folglich können Führungskräfte strategischen Aufgaben nur selten ihre volle Aufmerksamkeit schenken, individuelle zentrale Ressourcen wie Zeit, Know-how und Kreativität nicht systematisch nutzen und das eigene wie auch das organisationale Potential nicht ausschöpfen.

Es sind jedoch nicht nur die beschriebenen Rahmenbedingungen, die die Arbeit von Führungskräften erschweren, sondern auch die Art und Weise der sozialen Interaktion, die von Führungskräften im Innen wie Außen abverlangt wird. Grundlegend an Bedeutung gewonnen hat hierbei insbesondere die Fähigkeit, Organisationen als soziale Systeme zu verstehen und zu gestalten. Viele dieser Systeme haben sich durch die sukzessive Auflösung klassischer Hierarchien, die Abkehr von „Order-and-Command“-Strukturen und die Entwicklung innovativer Lebens- und Arbeitskonzepte grundlegend verändert und sind längst nicht mehr so trivial wie früher. So hinterfragen Mitarbeiter, Kunden wie auch Kollegen heute mehr denn je, sie prüfen, sie zweifeln an, sie misstrauen und geben sich nicht zufrieden. Darüber hinaus wollen gerade Mitarbeiter zunehmend einbezogen werden, wollen gesehen werden und sich ausdrücken. Die so entstehenden komplexen sozialen Systeme sind mit einem althergebrachten Verständnis von Führung kaum noch steuerbar und stellen Führungskräfte vor völlig neue Herausforderungen.

Herausforderungen auf organisationaler wie sozialer Ebene fordern Führungskräften ein beeindruckendes Verhaltensspektrum ab: je nach Umstand müssen sie unter enormem zeitlichen Druck und vor dem Hintergrund hoher Komplexität Entscheidungen treffen, Fachexpertise aufweisen, Interessen abwägen, Richtung geben, Erwartungen erfüllen und Vertrauen aufbauen. Zudem wird von ihnen erwartet, dass sie Zweifel ertragen, Mut beweisen, Ärger verarbeiten, Ausdauer aufbringen und mit Ungewissheit umgehen. Eine Führungskraft sollte heute nicht nur bloßer Vorgesetzter, Vorbild und Verantwortungsträger, sondern gleichzeitig auch Sparringspartner, Coach und Sinnstifter sein. Für eine erfolgreiche Führung lässt sich daraus sehr offensichtlich eine zentrale Schlüsselqualifikation ableiten: die Fähigkeit zur zielgerichteten Variabilität des Führungsverhaltens. Diese Variabilität eröffnet Führungskräften die Möglichkeit, sich innerhalb instabiler Realitäten und ständig wechselnder Kontexte immer wieder bedarfsgerecht anzupassen, auszurichten und aufzustellen.

Der Markt für Führungskräfteentwicklung bietet eine Vielzahl von Trainingsangeboten, die Führungskräfte besser auf den Umgang mit den Herausforderungen im Arbeitsalltag vorbereiten sollen. Üblicherweise machen diese Trainings Teilnehmern innovatives Schemawissen zugänglich und geben ihnen Lösungsschablonen und Verhaltensanweisungen mit an die Hand. Diese Vorgehensweise hat jedoch entscheidende Nachteile: die vermittelten Konzepte und Modelle wirken meist – wenn überhaupt – nur kurzfristig und sind zudem sehr stark kontextabhängig. Erlernte Verhaltensskizzen können nämlich nur in bestimmten Standardsituationen angewendet werden und sind somit recht unflexibel. Zudem mangelt es vielen Führungskräften auch nach einer Vielzahl von Trainings immer noch an der grundlegenden Fähigkeit, das gelernte Wissen auch in Handlung umzusetzen und es dann innerhalb ihres Verhaltensrepertoires dauerhaft zu verankern. Somit wird klar: Führungskräfte stehen weniger vor einem Wissens-, sondern vielmehr vor einem Handlungsproblem, welches es zu lösen gilt.

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